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Interview mit KTM Rally-Arzt Ralph Pariasek
Der Wiener Ralph Pariasek betreut bereits seit mehreren Jahren die KTM-Piloten bei der Rally Dakar. Als gelernter Physiotherapeut und Osteopat weiß der 38-Jährige mit seiner Erfahrung genau über die medizinische Versorgung von Motorradfahrern Bescheid.
Worauf sollte jeder Fahrer achten, der mit seinem Motorrad eine längere Tour unternimmt?
Auf jeden Fall ist eine gute körperliche Fitness die Grundvoraussetzung, für eine längere Tour auf dem Motorrad. Dazu zählt auch, beanspruchte Körperteile wie Unterarme und Handmuskulatur gezielt zu trainieren. Auch der Rücken sollte ein wenig Fitness erhalten. Und nicht zu vergessen, die Ausdauer. Sie lässt sich durch Laufen oder Radfahren verbessern. Zu empfehlen wäre ein Training von 45 Minuten bei geringer Herzfrequenz und das drei Mal pro Woche. Eine gute Pulsfrequenz lässt sich leicht als Hilfe für ein optimales Training nehmen. Oder: Es muss beim Ausdauersport noch möglich sein, reden zu können, ohne dabei außer Atem zu kommen.
Zu empfehlen ist auch eine Vorsorgeuntersuchung bei einem praktischen Arzt, die generell jeder durchführen sollte.
Ganz wichtig sind auch die Impf- und Einreisebestimmungen der Länder, die man bereisen möchte. Auf die sollte vor Antritt der Reise ganz besonders geachtet werden. Und man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass Impfstoffe oder Medikamente zur Vorbeugung Zeit brauchen, um den notwendigen Schutz zu garantieren. Die Entwicklung von Medikamenten geht immer weiter. War zum Beispiel Lariam ein wirkungsvolles Mittel gegen Malaria, so ist es heute Malerone. Solche Informationen und die besten Tipps zum Schutz liefern entsprechende Institutionen, wie Tropeninstitute.
Neben einer einer grundlegenden medizinischen Vorsorge und guter, körperlicher Fitness ist natürlich auch die Schutzkleidung von Bedeutung. Sie muss den jeweiligen Witterungen, die in den verschiedenen Regionen herrschen, angepasst sein.
Achtung! Nicht dass jemand denkt, für Afrika brauche ich nur leichte Kleidung, weil es dort sowieso heiß ist. Das ist ein Irrtum. Auch auf dem afrikanischen Kontinent kann es am Morgen oder in den Abendstunden kalt werden. Außerdem müssen empfindliche Körperteile, wie Kopf, Wirbelsäule, Hände oder Füße unbedingt geschützt sein – auch bei Hitze und kurzen Strecken!
Kein Profi würde sich mit Badeschlappen auf ein Motorrad setzen. Also nicht an der nötigen Ausrüstung sparen und schon gar nicht an der Qualität.
Was müsste das medizinische Repertoire auf einer Reise umfassen?
Zur Grundausrüstung gehören auf jeden Fall ein Fieberthermometer, Pinzette, Schere und Einwegspritzen. Die Spritzen eignen sich mit ihrer Kanüle ideal zum Öffnen von Blasen. Und weil sie sterilisiert sind, wird Entzündungen vorgebeugt.
Wenn es zu einem Sturz auf Reisen gekommen ist, dann kommt es auf eine gute Wundversorgung an. Dafür ist es wichtig, entweder Betaisadona oder Wasserstoff-peroxidlösung zum Auswaschen der Wunden mit an Bord zu haben. Beides ist in jeder Apotheke rezeptfrei erhältlich.
Außerdem sollten Pflaster und Verbandmaterial mitgeführt werden. Beim Verbandmaterial ist aber darauf zu achten, dass es ohne klebende Wundversorgung (Jelonet) ist. Weiterhin sind elasitische Binden, Blasenpflaster und sterile Tücher empfehlenswert.
Im Falle einer auftretenden Krankheit sollten fiebersenkende und Schmerzmittel griffbereit sein. Hier ist aber Vorsicht geboten, denn durch diese Mittel verlangsamt sich die Reaktionszeit! Ein Breitbandantibiotikum, Kreislauf stabiliserende Mittel und Aspirin gehören ebenfalls ins Gepäcks. Und – so komisch es auch klingen mag – eine Wundsalbe gegen Sitzwolf. Nichts ist doch ärgerlicher, wenn durch eine lange Fahrt der Hintern derart schmerzt, dass die schön geformte Sitzbank nicht mehr genutzt werden kann. Oder? Also, bitte diese Gefahr nicht unterschätzen.
Das gilt auch für Durchfall. Wie schnell fängt man sich Magenprobleme – vor allem in fremden Regionen – ein. Dagegen hilft ein Mittel gegen Durchfall. Bei Diarrhoe sollte aber auch bedacht werden, dass damit ein hoher Flüssigkeitsverlust verbunden ist. Deshalb auch entsprechende Elektrolytmittel mitnehmen. Aber auch Verstopfungen sind nicht zu unterschätzen. Mein Rat: Lieber ein Mittel einpacken, als sich zu quälen.
Was oft unterschätzt bzw. woran selten gedacht wird, sind Entzündungen der Augen. Doch das geschieht oft schneller, als man denkt. Fahrtwind, Sand oder Kälte setzen den Augen stark zu. Hier empfiehlt es sich, eine Augenspülung mit auf die Tour zu nehmen.
Und Verbrennungsalbe. Man kann wirklich nicht vorsichtig und gewissenhaft genug auf eine Reise gehen. An jede Gefahrensituation ist zu denken. So kann es bei einer Reparatur am Motor oder Auspuff – und ist sie auch noch so klein – zu Verbrennungen kommen. Auch diese müssen medizinisch versorgt sein. Also: Salbe nicht vergessen!
Es gibt wirklich viele Dinge, die bei einer großen Tour bedacht werden sollten. Hier noch einige Empfehlungen, die ich auf Grund meiner Erfahrungen gern weitergeben möchte.
Ohrenstöpsel nicht vergessen, bei Seeüberfahrten an ein Mittel gegen Seekrankheit denken, Multivitaminpräperate bei schlechter Nahrungsaufnahme dem Körper zuführen und Magnesium (als Pulver oder in Tablettenform) gegen Krämpfe einpacken.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass sich auch die Allergielage unseres Körpers verändern kann. Wer vielleicht früher nie mit Allergien zu kämpfen hatte, bekommt auf ein Mal Heuschnupfen. Davor ist heutzutage niemand mehr sicher.
Mein Tipp: Packen Sie ein Antiallergikum (Antihistamin) in ihre Reisapotheke. Man weiß ja nie, ob der Stich einer Wespe oder die Pollen von Pflanzen eine Allergie auslösen.
Du hast Empfehlungen für Medizin gegeben, die bei einer Tour generell mit an Bord sein sollten. Gibt es auch etwas Spezielles, die Fahrer einer KTM 950 Adventure betreffen könnten?
Die Grundausstattung für die Bordmedizin ist grundlegend dieselbe. Was aber hinzukommt, sind eher die körperlichen Anstrengungen beim Fahren einer so potenten Maschine. Vor allem die Unterarmmuskulatur wird strapaziert. Ein starker Motor macht ebne die Unterarme lang. Aber nicht nur die. Auch der Schultergürtel und die Rückenmuskulatur haben Schwerstarbeit zu verrichten. Deshalb – wie am Anfang schon erwähnt – seinen Körper trainieren.
Und wenn Schmerzen auftreten sollten, diese auf keinen Fall ignorieren oder durch Schmerzmittel unterdrücken.
Warum denn nicht zwingend Schmerzmittel nehmen?
Der Schmerz ist eine wichtige Information, die uns der Körper gibt. Er sollte unbedingt beachtet werden. Ich würde lieber jedem empfehlen, bei Überlatungsschmerz sich einen Tag Ruhe zu gönnen. Das ist auf jeden Fall besser, als sich die weitere Reise mit Schmerzen herumzuplagen.
Natürlich kann man Schmerz stillende Mittel nehmen. Es sollte aber immer daran gedacht werden, dass alle Schmerzmittel die Reaktionszeit reduzieren und diese Information unseres Körpers anders einzuschätzen ist. Durch die eingenommenen Mittel wird es schwerer, die Ursache des Schmerzes zu lokalisieren und dessen Intensität festzustellen.
Nichts wäre schlimmer, wenn es nach der „überstandenen“ Reise zu gesundheitlichen Schäden kommt.
Daher noch ein abschließender Tipp. Wir sollten uns unseren Körper wie einen Motor vorstellen. Dort achten wir ja auch auf jedes kleinste Geräusch. Und damit es nicht zu größeren Reparaturen kommt, reagieren sofort. Das gilt genauso für unseren Körper:
Lieber einmal etwas vorsichtiger, als eine böse Überraschung erleben!
Zudem ist es wichtig, sein eigenes Fahrkönnen richtig einzuschätzen – gerade bei einem potenten Motorrad wie die KTM 950 Adventure.
Wie wichtig ist die Ernährung während einer Tour, gibt es Unterschiede zum Alltag?
Natürlich. Während einer Tour kommt es zu einem erhöhten Kalorienbedarf, der durch möglichst leicht verdauliche Kost gedeckt werden sollte. Dafür empfehlen sich Riegel mit einer großen Kalorienzahl – vor allem für unterwegs. Sie sind die ideale Zwischenmahlzeit.
Am Morgen, mittags oder am Abend sollte richtig gegessen werden, soweit es bei einer Reise möglich ist.
Nicht zu vergessen sei auch der erhöhte Bedarf an Flüssigkeit. Für mich gilt dabei der Leitsatz: 1 ˝ - 2 Liter pro Tag. Bei Belastung gilt es diesen Wert zu verdoppeln (3 – 4 Liter). Kommt zur Belastung noch Hitze hinzu, wie zum Beispiel in Afrika, so sind 6 – 8 Liter Flüssigkeit ein Muss.
Vorsicht ist bei der Wasserqualität geboten. Daher empfiehlt es sich, Wasserauf-bereitungstabletten mit auf Reisen zu nehmen. Genauso wichtig wie die Wasserqualtität sind die notwendigen Mineralstoffe, die dem Körper wieder zugeführt werden müssen. Hier gibt es zahlreiche Anbieter und Geschmacksrichtungen.
Und für die Mitnahme des Flüssigkeitsvorrates bietet sich natürlich ein Camel Bak bestens an.
Die Reise ist zu Ende. Ist da noch etwas zu beachten oder alles vorbei?
Sollte es während einer Reise zu Verletzungen gekommen sein, dann müssen diese unbedingt beim Arzt gecheckt werden. Das gilt auch bei länger anhaltenden Darmproblemen. Auch wenn es nicht gerade eine angenehme Sache ist, aber ich würd auf jeden Fall eine Stuhlprobe beim Hausarzt abgeben.
Alles was sich um Krankheiten und deren Vorsorge dreht, ist Sache des Arztes oder eines Tropeninstitutes. Die Institute sind immer auf dem neuesten Stand, wenn es um Krankheiten und die Wirksamkeit von Krankheits vorbeugenden Medikamenten geht.
Deshalb mein Rat: Im Zweifelsfall immer diese Institutionen konsultieren! |
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